Ausbildungsunterhalt… wie lange und wie viel?

Eltern sind ihren minderjährigen Kindern zum Unterhalt verpflichtet.

 

Was passiert aber, wenn das Kind volljährig wird?

 

Der Unterhalt umfasst den gesamten Lebensbedarf einschließlich der Kosten einer angemessenen Vorbildung zu einem Beruf. Der Anspruch des Kindes richtet sich dabei auf Finanzierung einer angemessenen, seiner Begabung, Neigung und seinem Leistungswillen entsprechenden Berufsausbildung.

 

Dabei gilt das sogenannte Gegenseitigkeitsprinzip. Das bedeutet, dass das Kind nicht nur einen Anspruch auf Finanzierung der Ausbildung besitzt, sondern auch dazu verpflichtet ist, die Ausbildung mit Einsatz, Fleiß und der gebotenen Zielstrebigkeit in angemessener und üblicher Zeit zu absolvieren. Etwaige Verzögerungen müssen unter Umständen akzeptiert werden, soweit sie auf ein nicht vorwerfbares Versagen des Kindes zurückzuführen sind.

 

Nach Abschluss der Schulausbildung obliegt es daher dem Kind, sich alsbald um einen entsprechenden Ausbildungsplatz zu bemühen und die Ausbildung zielstrebig zu beginnen. Dabei ist dem Kind sicherlich eine angemessene Orientierungsphase zuzubilligen, deren Dauer jedoch stets im Einzelfall nach Alter, Entwicklungstand und Lebensumständen zu bemessen ist. Je älter ein Kind bei Beendigung der Schule ist, desto mehr tritt dabei die Eigenverantwortung des Kindes für seinen Lebensweg auch in beruflicher Hinsicht in den Vordergrund.

 

Der Bundesgerichtshof hat nun entschieden, dass der Unterhaltsanspruch des Kindes auch besteht wenn das Kind bei schwierigen familiären Verhältnissen nach Beendigung der Schule zunächst berufsorientierte Praktika und Aushilfstätigkeiten absolviert, um einen Ausbildungsplatz zu erhalten und die Ausbildung erst drei Jahre nach Schulabschluss antritt (vgl. BGH Beschluss vom 03.07.2013, XII ZB 220/12)).

 

Ein Wechsel oder Abbruch der Ausbildung aus sachlichen Gründen wird überwiegend von der Rechtsprechung akzeptiert.

 

Verletzt das Kind allerdings seine Pflicht zur zielstrebigen Aufnahme und Durchführung der Ausbildung, verfällt der Unterhaltsanspruch und das Kind hat seinen Lebensunterhalt durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit selbständig sicherzustellen.

 

Zur Finanzierung einer Zweitausbildung sind die Eltern indes nur in engen Grenzen verpflichtet. Ein Anspruch kann etwa dann bestehen, wenn das Kind nach dem Abitur zunächst eine praktische Ausbildung durchläuft und sich danach zu einem Studium entschließt, welches inhaltlich im Zusammenhang mit der beendeten Ausbildung steht.

 

Weitergehende Fragen zu diesem Themenbereich erörtern wir gern mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch.

 

Sarah Otte im Kamp

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht

 

Kontakt: Frau Janine Oppermann

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